REFLECTIONS

Andy Möbius - an artist who successfully uses both, painting and drawing techniques? Yes, he is both. In his paintings the drawing is woven into the art. By "occupying" the canvas, the drawing appears to be there first, and out of a secret vision a drawing structure developes, similar to a foundation. The paint is the next step, and then again the drawing, then maybe another layer of paint and then another...
The final views of his paintings develope out of such layers. They grow, until the painting reaches its completion. Yes, that´s how it could be! Each one is different. And yet they have a secret common bond. Foreseeable in a mysterious way, they bring about something global, something of the reality that lies beyond the obvious.

It is about making bare. About bringing forward reactions, feelings, experiences and views, into a metaphorical language chosen by him. It is about depicting action and not about the actor. In Andy Möbius´ art I discover networks of relations, breaches. Something constantly rips off, breaks apart and developes in a new way. It is like being constantly in motion.

Recently, after a longer trip to visit him, I enter his studio and at once see this painting. And it was all there: Motion, stop and go. Bridges, streets, landscapes, distance and closeness and the whole excitement from the moods of light throughout a day, which is just coming to its end. All of what his paintings stand for was there, concentrated. The transition of "cosmopolitism" into a pictorial world. I do not think that Andy Möbius intentionally plans this in his paintings. Much more it is my belief that perceptions are being rediscovered or passed-on unintentienally.

The collection of paintings, to which the one mentioned belongs, are contradicted by others from the recent past. Paintings with a vortex-like center. The base colors of these paintings are grey, whereas the centrifugal areas are colorfully bright. Every now and then these "circulations" still appear, but differently. He has summed up all of these paintings under the title "States of Mind" - Circumstances of lust, of affection, of pain, of joy and repeatedly the opposites again, like the swing of a pendulum. I first met Andy Möbius in 1992. At the time I was teaching the painting course at a summer academy. Since then I have been interested in his work. His experiences from these days seem to continue to have an influence on his work.

There´s an invitation to one of his first exhibitions afterwards, showing his feet immersed in paint. I think that was the symbolical representation of a path, that has accompanied him to the very day. Wild outbursts, controlled passages, gentle shades, wafer-thin undercoats, strong interlacements and relentlessly this quality of colors and formations. They appear broken open or enclosed, embedded or untied; they repress or retreat, they embrace or open; they´re in the state of later relationship or separation. Reality is left out in his paintings, yet its existance is indicated all the more.

When viewing Andy Möbius´ current paintings, I recognize a slight, yet hardly noticeable difference, in comparison to his earlier work. It has gained a certain width or distance, although I do not want to try to describe this "width" and what I feel about it, the overall mood of the paintings has become brighter.

Several years ago Andy Möbius built a studio next to his home on an old dike in East Friesland, close to the North Sea coast. This landscape bares no hills, except for old, long-reaching dikes, that no longer serve as a protective measure. The landscape possesses a fascination, which I can also feel in his paintings. Traces of all this appear and disappear again ­ traces of what I know and what I have seen there. Paintings, paintings, paintings.....

HORST HIRSIG, Dresden 2001

BETRACHTUNGEN

Andy Möbius ­ ein Maler, und auch ein Zeichner? Ja, er ist beides. Die Zeichnung verwebt sich in seinen Bildern mit der Malerei. Mit der "Besetzung" der Fläche scheint die Zeichnung zuerst da zu sein, und aus einer geheimen Bildidee entwickelt sich eine zeich nerische Struktur wie ein Fundament. Die Farbe ist dann der nächste Schritt, dann wieder die Zeichnung, dann kommt vielleicht wieder eine Schicht und dann wieder eine andere.... Die letzten Bilder von ihm entwickeln sich aus solchen Schichten. Sie wachsen, bis das Bild "seine Fügung" hat. Ja, so könnte es sein! Jedes ist anders. Und doch verbindet sie ein Geheimnis. Auf eine geheimnisvolle Weise ahnbar vermitteln sie etwas von der Welt, etwas von der Wirklichkeit, die jenseits des Sichtbaren liegt.

Es geht um Entkleidung. Es geht um die Übersetzung von Reaktionen, von Gespürtem, Erlebtem und Gesehenem in eine von ihm gewählte Bildsprache. Es geht um das Handeln und nicht um den Handelnden. Auf Andy Möbius Bildern entdecke ich Beziehungsgeflechte, Brüche. Ständig reißt etwas ab, bricht auf und fügt sich neu. Es gleicht einem ständigen Unterwegssein. Kürzlich, nach einer längeren Anreise sehe ich als erstes dieses Bild in seinem Atelier. Es war alles drauf: Fahren, Gehen, Stehen, Brücken, Strassen, Landschaften, Weite und Nähe und die ganze Aufgeregtheit von Lichtstimmungen über einen Tag hinweg, der gerade seinem Ende entgegen ging. Hier war alles konzentriert, was seine Bilder auszeichnet. Die Übersetzung von "Welterfahrung" in eine Bildwelt. Ich glaube nicht, dass Andy Möbius das in seinen Bildabsichten plant. Eher glaube ich an eine unbewusste Weiterreichung oder Neuerfindung von Wahrgenommenem.

Diesen Bildern, zu denen das beschriebene gehört, stehen andere gegenüber. Es sind frühere, die eine sogartige Mitte haben. Die Grundtöne dieser Bilder sind grau, die zentrifugalen Stellen leuchtend farbig. Ab und an tauchen diese "Verkreisungen" immer noch auf, aber anders. All diese Bilder fasst er unter dem Titel "Befindlichkeiten" zusammen ­ Befindlichkeiten der Lust, der Zuneigung, des Schmerzes, der Freude und immer wieder das Gegenteil davon sind für ihn die Pole, die den Pendelschlag bestimmen.
Andy Möbius lernte ich 1992 kennen. Damals leitete ich den Kursus Malerei einer Sommerakademie. Seit dieser Zeit interessiert mich seine Arbeit. Und ihn ließen die Erfahrungen dieser Tage offensichtlich nicht mehr los. Es gibt eine Einladungskarte zu einer seiner ersten Ausstellungen danach. Darauf sieht man seine in Farbe getauchten Füße. Das war, glaube ich, die sinnbildliche Vorwegnahme eines Weges, der ihn bis heute begleitet. Wilde Ausschläge, kontrollierte Fassaden, sanfte Töne, hauchdünne Gründe, starke Vergitterungen und immer wieder diese Qualität der Farben und der Formungen. Sie scheinen aufgebrochen oder verschlossen, verankert oder losgelöst; sie verdrängen oder weichen zurück, sie umfassen oder öffnen; sie befinden sich in Bindung oder Trennung. die reale Situation wird in seinen Bildern ausgelassen. Ihre Existenz zeigt sich so umso deutlicher. Wenn ich die jetzigen Bilder von Andy Möbius betrachte, dann entdecke ich eine, wenn auch kaum merkliche Veränderung gegenüber seiner früheren Malerei. Sie hat etwas von Weite bekommen, wobei ich diese "Weite" und was ich dabei empfinde, nicht versuchen will zu beschreiben. Die Gesamtstimmung der Bilder ist heller geworden.

Vor einigen Jahren hat sich Andy Möbius neben seinem Wohnhaus auf einem alten Deich in Ostfriesland ein Atelierhaus gebaut. Die Küste der Nordsee liegt nahe. Hügel gibt es in dieser Landschaft nicht, es sei denn alte Deiche, die, lang hingezogen, keine Schutzfunktionen mehr haben. Diese Landschaft hat eine Faszination, die ich auch in seinen Bildern spüre. Spuren von all dem tauchen auf und wieder unter ­ von dem, was ich weiß und was ich dort gesehen habe. Bilder, Bilder, Bilder...

Horst Hirsig, Dresden 2001

 

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